Weltmeisterschaft in der Schweiz, wir waren da!

Mit unglaublicher Präzision gehen die 105 Teilnehmer der Förster-WM in Brienz ans Werk. Sie fällen Baumstämme zentimetergenau und wechseln die Ketten ihrer Sägen in wenigen Sekunden. Nebenbei sorgen sie auch für Volksfeststimmung am Seeufer. Orange ist die dominiernde Farbe auf dem Wettkampfgelände. Arbeitskleidung, Kettensägen, Helm – alles erscheint in derselben knalligen Farbe. Im dichten Wald bei der täglichen Arbeit ist die Farbe ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheit. Die meisten Wettkämpfer sind aber dennoch ihren Ländern zuzuordnen. Irgendwo versteckt jeder dezent einen Hinweis auf seine Herkunft. Platzspeaker und Fans bereiten dem WM einen gebührenden Empfang. Die Sportler legen ihre Kettensäge auf den Tisch unter dem blauen Zelt. Ein paar Handgriffe, etwas Kalk für den Griff an die Hände und schon ist Amstutz bereit. Sie steht hinter der gelben Markierung. Die Zeitschranke öffnet sich nach einem «Guet» des Schiedsrichters – und sie legen los. Nach nur 8,92 Sekunden hat der Bern-Jurassier die für Waldarbeiter alltägliche Arbeit ausgeführt und seine Motorsäge ist wieder einsatzbereit. Ein Spitzenwert, nur 0,27 Sekunden über den am Donnerstag vom Ungaren Robert Rittlinger realisierten Weltrekord. Den Vergleichswert liefert Wettkampf-Chef Thomas Peter, selbst gelernter Forstwart: «8,92 Sekunden ist schnell.
Nicht nur schnell sind die Fachkräfte aus 26 Ländern, auch präzise. Bei einer Übung in der Wettkampfarena geht es um Millimeter. Von zwei Stämmen schneiden die Wettkämpfer je eine Holzscheibe ab. Doch wehe der Schnitt geht zu tief. Zeigt sich auf der weissen Fläche unter dem Stamm nur ein Kratzer ist der Wettkämpfer disqualifiziert. Gemessen wird neben der Zeit auch der Winkel der Schnitte. Möglichst rechtwinklig müssen diese sein. Sonst gibt es auch hier Abzug. Dass die Wettkämpfer ihre lauten Kettensägen im Griff haben, zeigt sich etwa beim Slovaken Marek Lubas. Nur drei, respektive fünf Milimeter dünn ist das verbleibende Holz über der verbotenen weissen Plastikschicht. Zur Sache geht es auch beim kombinierten Schnitt. Die zwei Stammrollen werden hier je einmal von oben und einmal von unten angeschnitten, Am meisten Punkte gibt es für den Teilnehmer, wenn beide Schnitte genau in der Mitte aufeinandertreffen. Auch hier messen die Schiedsrichter, die an dieser WM gemäss einem österreichischen Funktionär besonders gut seien, mit Winkeleisen und Massband genau nach.
Etwas abseits von der Wettkampfarena ist immer wieder ein dumpfer Schlag zu hören. Im Minutentakt stellen Helfer 2000 Kilogramm schwere Stämme mit zwei grossen Forstmaschinen in ein Loch im Boden. Wenig später liegen die Stämme wieder am Boden. Es ist die Disziplin Präzisionsfällen, die hier auf einer vom Regen der Nacht getränkten Wiese über die Bühne geht. Möglichst nahe soll der Stamm bei einer Markierungsstange in 15 Meter Entfernung zu Boden gehen. Dazu braucht es auch hier vor allem eines: Erfahrung. Die Teilnehmer sind alles Profis, die ihr Geld im Wald verdienen. So wundert es auch hier nicht, dass bei den besten Teilnehmern der Stamm nach knapp zwei Minuten nur wenige Zentimeter neben der Markierungsstange liegt.
Die Disziplinen
Zielfällen
Innerhalb von drei Minuten soll ein Baum – an der WM in Brienz ist es ein bereits astfreier in Kies eingelassener Stamm – möglichst nahe an den vorher eingeschlagenen Zielstab gefällt werden. Dabei müssen die Vorgaben der Arbeitstechnik und die gültigen Bestimmungen der Arbeitssicherheit eingehalten werden.
Kettenwechsel
Bei einer einsatzbereiten Motorsäge wird die Schneidegarnitur abgenommen, das Schwert gewendet und die Kette ausgewechselt. Dabei muss die Schneidegarnitur so montiert werden, dass die Säge mit richtiger Kettenspannung wieder einsatzbereit ist. Die beiden nachfolgenden Disziplinen müssen danach ohne weitere Einstellungen an der Säge ausgeführt werden. Abzug gibt es auch, wenn sich der Athlet Kratzer an der Hand holt.
Kombinierter Schnitt
Von zwei Stammrollen wird je eine 30 bis 80 Milimeter dicke Holzscheibe abgeschnitten. Dabei muss zuerst bis in die Mitte des Stammes von unten und dann von oben gesägt werden. Die meisten Punkte erhält der Teilnehmer, wenn beide Schnitte ohne Versatz in den seitlichen Markierungsstreifen aufeinander treffen und der Schnitt rechtwinklig zur Stammachse geführt wurde.
Präzisions-Schnitt
Von zwei Stammrollen wird je eine 30 bis 80 Milimeter dicke Holzscheibe mit einem rechtwinklig zur Stammachse liegenden Schnitt von oben abgesägt. Der Athlet versucht die Scheibe möglichst vollständig abzutrennen, ohne dabei das darunter liegende Brett zu verletzen, was zu einer Disqualifikation führen würde. Die Aufgabe wird durch eine Sägemehlschicht erschwert, welche die Kontaktzone der Stammrolle zum Unterlagenbrett verdeckt.
Entasten
Auf zylindrisch abgedrehten Stämmen werden 30 runde Äste in einem für alle Teilnehmer gleichen Muster und gleichen Gesamtdurchmesser eingesetzt. Diese Äste müssen mit der Motorsäge gefahrlos, stammeben und so schnell wie möglich abgesägt werden.
Länderstafette
Die Länderstafette ist ein Teamwettkampf, bei dem es darum geht, in möglichst kurzer Zeit an speziell aufgestellten, liegenden und stehenden Stämmen eine Holzscheibe abzutrennen. Neben der Zeit wird vor allem auch auf die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen geachtet. Die Länderstafette wird als zusätzliche sechste Disziplin aufgeführt und zählt nicht zum Mannschaftswettkampf der übrigen fünf Disziplinen.
jungfrauzeitung.ch berichtet über die Meisterschaft.

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