Warum Ausbildung mit der Motorsäge für den Betrieb und privat Person

Warum Ausbildung mit der Motorsäge für den Betrieb und privat Person

von Dr. Müller-Heidt.

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Arbeiten mit der Motorsäge
Seit einigen Jahrzehnten werden Motor(ketten)sägen insbesondere zur Holzbearbeitung von der Baumfällung bis zum Ablängen von Holzleisten  eingesetzt.
In der Regel werden sie durch 2-Takt-Verbrennungsmotoren angetrieben.
Beim Arbeiten mit der Motorsäge entstehen zahlreiche Gefährdungen:
Noch bevor die Motorsäge angelassen wird, entstehen Explosions- und Brandgefahren beim Transport des Kraftstoffgemisches zur Einsatzstelle und beim Betanken.
Das Aufziehen einer neuen Kette führt nicht seltenzu schmerzhaften Schnittverletzungen an der Hand. Sobald die Säge gestartet worden ist, werden dem Benutzer die Abgase und unverbrannten Kraftstoffdämpfe (Spülverlust) in die Atemluft gepustet. Aufgrund der Arbeitsschutzvorschriften dürfenBeschäftigte heutzutage nur Sonderkraftstoffe dabei verwenden, die zwar erheblichteurer als handelsübliche Kraftstoffe sind, dafür aber keine krebserzeugenden Aromatenenthalten. Richtig gefährlich werden kann es, wenn die laufende Säge nicht fachgerecht eingesetzt wird. Beim Sägen mit der Kettenspitze kann beispielsweise die Säge zurückschlagen und zu schweren Verletzungen an Hals und Kopf
führen, die nicht selten tödlich enden. Aber nicht nur der Motorsägenführer selbst ist gefährdet, sondern auch Personen, die, weil sie die Gefahren nicht richtig einschätzen können, der Motorsäge zu nahekommen. Weitere Gefährdungen werden durch die Tätigkeit mit der Motorsäge erzeugt, z.B. beim Absägen eines Astes oder beim Fällen eines Baumes.
Den Trägern der Gesetzlichen Unfallversicherung werden zahlreiche Unfälle von Beschäftigten gemeldet, die bei der Arbeit mit der Motorsäge z.T. sehr schwere oder
tödliche Verletzungen erlitten. Aber auch die Krankenkassen klagen über die hohen
Unfallzahlen, die Versicherte in ihrer Freizeit, z.B. beim Brennholz sägen, erleiden.
Die Tendenz ist steigend.
Bundesweite Statistiken über das Unfallgeschehen im Zusammenhang mit Motorsägen gibt es nicht. Die Zahl der tödlichen Unfälle dürfte bei über 100 pro Jahr liegen.
Die Zahl der Verletzten ist sicherlich wesentlich höher. Aus dem oben aufgeführten wird deutlich, dass das Arbeiten mit der Motorsäge als gefährliche Arbeit einzustufen ist.
Motorsägearbeiten können im Rahmen von Dienst- oder Beschäftigungsverhältnissen oder privat (z.B. als Selbstwerber) durchgeführt werden.

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Motorsägearbeiten im Rahmen von Dienst- oder Beschäftigungsverhältnissen
Die Übertragung von Aufgaben auf Beschäftigte (Versicherte) wird in folgenden Vorschriften grundsätzlich geregelt:

Arbeitsschutzgesetz, § 7″ Bei der Übertragung von Aufgaben hat der Arbeitgeb er je nach Art der Tätigkeit zu berücksichtigen, ob die Beschäftigten befähigt sind, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten.“

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Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“, § 7
„Bei der Übertragung von Aufgaben auf Versicherte hat der Unternehmer je nach Art der Tätigkeit zu berücksichtigen, ob die Versicherten befähigt sind, die für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Aufgabenerfüllung zu beachtenden Bestimmungen und Maßnahmen einzuhalten.“ Entsprechend den genannten Vorschriften dürfen nur geeignete bzw. befähigte Personen mit dieser Aufgabe betraut werden. Welche Personen sind geeignet bzw. befähigt? Was ist unter „Eignung“ und „Befähigung“ in diesem Zusammenhang zu verstehen? Der Begriff der Befähigung umfasst alle körperlichen sowie geistigen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Eigenschaften einer Person. Bei der Klärung der körperlichen Fähigkeiten ist der Arbeitsmediziner behilflich. Hinweise für die arbeitsmedizinische Beurteilung können z.B. der DGUV – Information
„Arbeitsmedizinische Vorsorge und Beratung im Forstbereich“, GUV – I 8520 / neu DGUV-I 214-059, entnommen werden. Zu den geistigen Fähigkeiten und Eigenschaften zählen z.B. die Auffassungsgabe, die psychische Belastbarkeit, die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit und die Ausbildungsqualifikation. Der Erwerb der erforderlichen Fachkunde als Voraussetzung der fachlichen Eignung kann einerseits durch die Berufsausbildung, z. B. im Beruf Forstwirt, oder andererseits durch Fortbildung oder Qualifizierungsmaßnahmen erfolgen.

Nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Unfallverhütungsvorschrift
„Grundsätze derPrävention“, DGUV , muss ein Unternehmer vor Arbeitsaufnahme im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung ermitteln, welche Gefahren von Tätigkeiten, die seine Beschäftigten durchführen sollen, ausgehen und durch welche Maßnahmen die Gefährdungen und Belastungen verringert werden können. Wenn feststeht, welche Tätigkeiten durchgeführt werden sollen, kann anhand der von der Fachgruppe „Forsten“ erstellten Informationsschrift „Ausbildung – Arbeiten mit der Motorsäge“, GUV – I 8624 neu  DGUV-I 214-059, ermittelt werden, welche Inhalte und welchen Umfang die erforderliche Ausbildung mindestens haben sollte. Wer als Unternehmer Beschäftigte ohne die jeweilige erforderliche Qualifikation und Ausrüstung arbeiten lässt, handelt fahrlässig oder grob fahrlässig. Welche Anforderungen sind an Ausbildungsträger zu stellen?
Um sicher gehen zu können, dass die Beschäftigten auch die erforderliche Fachkunde und die erforderlichen Fertigkeiten erlernen, sollte der Ausbildungsträger nur Ausbilder, die über das notwendige Fachwissen, die erforderlichen Fertigkeiten und über ausreichende pädagogische Kenntnisse zur Wissensvermittlung verfügen, einsetzen.
Diese Forderungen werden beispielsweise von Forstwirtschaftsmeistern erfüllt. Der
Ausbildungsträger muss über die erforderlichen technisch-materiellen Voraussetzungen verfügen. Hierzu zählt auch, dass für die praktische Ausbildung eine ausreichende Zahl von Übungsobjekten (Bäume) zur Verfügung steht. Die Ausbildungsinhalte sollten der GUV – I 8624 neu  DGUV-I 214-059 entsprechen.

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Wenn Baumarbeiten mit der Motorsäge im Bereich der Gartenbau-BG (z.B. bei Friedhofsarbeiten) durchgeführt werden sollen, sind die Lehrgänge „Arbeitssicherheit Baum I“ und gegebenenfalls „Arbeitssicherheit Baum II“ erforderlich.

Private Motorsägearbeiten (z.B. als Selbstwerber)
Für Privatpersonen gelten die gesetzlichen Arbeitsschutzbestimmungen nicht. In eigenem Interesse sollten sie aber dennoch Beachtung finden.
Waldbesitzern (z.B. Kommunen) ist zu empfehlen, von Privatpersonen, die als Selbstwerber Brennholz für den Eigenbedarf sägen wollen, einen Qualifikationsnachweis zu verlangen. Das Merkblatt „Motorsägenkurs für Brennholzwerber“ enthält entsprechende Hinweise für die erforderliche Qualifikation.

Das Internetportal „Motorsaegenkurs“ (www.motorsaegenkurs.de) führt geeignete
Anbieter von Motorsägenlehrgängen und Privatpersonen, die sich ausbilden lassen wollen, zusammen.

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